Geschichte > Judensteine als Souvenir




Hinter der Grieb 2.

Text:
Gedenkstein des Grabes der geachteten und tugendhaften und tüchtigen Frau meiner Mutter und Lehrerin (mit Ihr sei Friede) der Frau Gnenle, Tochter des gelehrten Herrn Rabbi Jekutiel (das Andenken des Gerechten sei zum Segen) welche m die Ewigkeit eingegangen ist am 25. Tewes (ungefähr Dezember) 27 nach der kleinen Zeitrechnung (5277 =1517). Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens im Garten Eden
Amen, Amen.


Mazewah kewrat ischah chaschuwah wehagunah eschet chajil imi morati - aleha haschalom - marat gnenleh bat morenu harav rabbi Jekutiel, zecher tsadik livrachah, schehalcha leolam kaf he tevet resch ajm zajin katan; tehenischmatah tserurah bitzeror hachajim began eden; amen, amen.

Unter dem Grabsteintext:
Caspar Aman, Anno Domini 1519, am Montag, am abent petri stuelfeyer (22 Februar) sein die Juden aus der stat regenspurg geschaft und am achten tag darnach keiner mer gesehen.
Laus Deo.
Drei Wochen nach der Judenvertreibung zerstörte eine tobende Menge mit Billigung der Regierung die jüdische Begräbnisstätte und verschleppte die Grabsteine. Viele davon wurden sichtbar in die Hauswände eingemauert, weil man stolz war auf diese Tat, nach dem Motto: „Ich war dabei!"
 


Mit dabei war auch der damalige Bürgermeister Kaspar Amman. Er ließ in seinem Anwesen Hinter Der Grieb 2 einen Judenstein einmauern. Dazu kam eine Inschrift über die erfolgreiche Vertreibung mit dem Schlusssatz: „Lob sei Gott!"


Bekanntester Judenstein ist  „Am Judenstein" an der Kreuzschule, Weitere Standorte sind am Krankenhaus am Emmeramsplatz, Einfahrt Rothdauscher am Neupfarrplatz, Neue Waag, Treppenhaus, Vor der Grieb 1. Stock, Amberger Salzstadel, Rathaus, Lochgefängnis und Durchgang zum roten Herzfleck oben. Einige Grabsteine gelangten sogar bis nach Kelheim und  Regendorf.




Rainer Fürst